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Ausgewählte Lieder von Richard Strauss (1864 - 1949)

Ausgewählte Lieder von Richard Strauss (1864-1949)

 

1.Freundliche Vision

 

Nicht im Schlafe hab' ich das geträumt,

Hell am Tage sah ich's schön vor mir:

Eine Wiese voller Margeriten;

Tief ein weißes Haus in grünen Büschen;

Götterbilder leuchten aus dem Laube.

Und ich geh' mit Einem, die mich lieb hat,

Ruhigen Gemütes in die Kühle

Dieses weißen Hauses, in den Frieden,

Der voll Schönheit wartet, dass wir kommen.

 

2.Morgen

 

Und morgen wird die Sonne wieder scheinen

Und auf dem Wege, den ich gehen werde,

Wird uns, die Glücklichen, sie wieder einen

Inmitten dieser sonnenatmenden Erde...

 

Und zu dem Strand, dem weiten, wogenblauen,

Werden wir still und langsam niedersteigen,

Stumm werden wir uns in die Augen schauen,

Und auf uns sinkt des Glückes stummes Schweigen...

 

3.Allerseelen

 

Stell auf den Tisch die duftenden Reseden,

Die letzten roten Astern trag herbei,

Und lass uns wieder von der Liebe reden,

Wie einst im Mai.

 

Gib mir die Hand, dass ich sie heimlich drücke,

Und wenn man’s sieht, mir ist es einerlei,

Gib mir nur einen deiner süßen Blicke,

Wie einst im Mai.

 

Es blüht und duftet heut auf jedem Grabe,

Ein Tag im Jahr ist ja den Toten frei,

Komm an mein Herz, dass ich dich wieder habe,

Wie einst im Mai.

 

4.Die Nacht

 

Aus dem Walde tritt die Nacht,

Aus den Bäumen schleicht sie leise,

Schaut sich um in weitem Kreise,

Nun gib Acht!

 

Alle Lichter dieser Welt,

Alle Blumen, alle Farben

Löscht sie aus und stiehlt die Garben

Weg vom Feld.

 

Alles nimmt sie, was nur hold,

Nimmt das Silber weg des Stroms

Nimmt vom Kupferdach des Doms

Weg das Gold.

 

Ausgeplündert steht der Strauch:

Rücke näher, Seel’ an Seele,

O die Nacht, mir bangt, sie stehle

Dich mir auch.

 

5.Zueignung

 

Ja, du weißt es, teure Seele,

Dass ich fern von dir mich quäle,

Liebe macht die Herzen krank,

Habe Dank.

 

Hielt ich nicht, der Freiheit Zecher,

Hoch den Amethysten-Becher

Und du segnetest den Trank,

Habe Dank.

 

Und beschworst darin die Bösen,

Bis ich, was ich nie gewesen,

Heilig, heilig ans Herz dir sank,

Habe Dank.

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